Was ist ETIM?
Zuletzt aktualisiert: August 2026
ETIM ist ein offener, herstellerneutraler Standard zur Klassifikation technischer Produkte. Jedes Produkt wird genau einer ETIM-Klasse zugeordnet und über standardisierte Merkmale und Werte beschrieben. So können Hersteller, Großhandel und Handwerk Produktdaten eindeutig, vergleichbar und maschinenlesbar austauschen — unabhängig von Sprache, System und Anbieter. Gepflegt wird der Standard von ETIM International und nationalen Organisationen wie ETIM Deutschland.
Was bedeutet die Abkürzung ETIM?
ETIM stand ursprünglich für „Elektrotechnisches Informationsmodell“ — heute wird die Abkürzung branchenübergreifend als „ETIM Technisches Informationsmodell“ gelesen. Der Standard entstand Ende der 1990er-Jahre in der Elektrobranche und wird inzwischen von der Organisation ETIM International mit nationalen Ablegern in über 20 Ländern weiterentwickelt. In Deutschland ist ETIM Deutschland e. V. die zuständige Organisation.
Die ETIM-Definition in einem Satz: ein Klassifikationsmodell, das technische Produkte in Klassen einteilt und je Klasse festlegt, mit welchen Merkmalen, Einheiten und Werten ein Produkt beschrieben wird.
Wie funktioniert die ETIM-Klassifizierung?
Die ETIM-Klassifizierung ordnet jedes Produkt genau einer Produktklasse zu. Jede Klasse bringt einen fest definierten Satz an Merkmalen mit, die das Produkt technisch beschreiben. Das Modell ist bewusst flach gehalten: keine tiefe Hierarchie, sondern Klassen mit sauber definierten Merkmalslisten.
Die Bausteine im Überblick:
- Klasse (EC): z. B. EC000042 „Leitungsschutzschalter“. Sie bestimmt, welche Merkmale ein Produkt beschreiben.
- Merkmal (EF): z. B. „Bemessungsstrom“, „Anzahl der Pole“, „Farbe“. Jedes Merkmal hat einen Datentyp (numerisch, alphanumerisch, logisch, Bereich).
- Wert (EV): standardisierte Auswahlwerte für alphanumerische Merkmale, z. B. definierte Farb- oder Materialwerte.
- Einheit (EU): normierte Einheiten für numerische Merkmale, z. B. Ampere oder Millimeter.
- Gruppe (EG): fasst Klassen thematisch zusammen — als Ordnungshilfe, nicht als starre Hierarchie.
Ein ETIM-Klassifikation-Beispiel: Ein Leitungsschutzschalter wird der Klasse EC000042 zugeordnet und über Merkmale wie Bemessungsstrom „16 A“, Anzahl der Pole „1″ und Auslösecharakteristik „B“ beschrieben. Ein Fachhändler kann damit Produkte verschiedener Hersteller direkt vergleichen und filtern — dieselben Merkmale, dieselben Einheiten, dieselben Werte.
Wie viele ETIM-Klassen gibt es?
Die aktuelle Version ETIM 10.0 umfasst 5.640 Produktklassen (Quelle: ETIM Deutschland). Mit jeder Version kommen Klassen hinzu: Allein ETIM 10.0 brachte 119 neue Klassen, entstanden aus über 5.200 Änderungsanträgen (Requests for Change) der Mitgliedsländer. Der Umfang wächst also kontinuierlich mit den Anforderungen der Branchen — von der Elektrotechnik über SHK bis zu Bau und Werkzeugen.
Welche ETIM-Version ist aktuell?
Aktuell ist ETIM 10.0, veröffentlicht im Dezember 2024. Seit 2021 erscheinen neue Hauptversionen im festen Zwei-Jahres-Turnus; die Folgeversion ETIM 11.0 ist bereits in Arbeit. Neben den Hauptversionen gibt es das „ETIM Dynamic Release“: Änderungen werden fortlaufend in der Online-Datenbank (Classification Management Tool) veröffentlicht, sodass Du nicht zwingend auf die nächste Hauptversion warten musst.
Wichtig für die Praxis: Handelspartner erwarten Daten meist in einer bestimmten Version. Ein PIM-System sollte deshalb mehrere ETIM-Versionen parallel führen und Produkte versionssicher ausleiten können.
Wer nutzt ETIM?
ETIM wird entlang der gesamten technischen Lieferkette genutzt: Hersteller klassifizieren ihre Produkte, der Großhandel fordert ETIM-Daten für Kataloge und Online-Shops, Handwerk und Planer nutzen die Merkmale in Kalkulations- und Ausschreibungssoftware. Getragen wird der Standard von ETIM International und den nationalen Organisationen, in denen Hersteller, Händler und Verbände Mitglied sind.
Für welche Branchen ist ETIM relevant?
ETIM kommt aus der Elektrobranche und ist dort de facto gesetzt. Stark verbreitet ist der Standard außerdem in SHK (Sanitär, Heizung, Klima), im Baubereich, bei Werkzeugen und Befestigungstechnik sowie zunehmend in weiteren technischen Sortimenten wie Schiffsausrüstung. Kurz: überall dort, wo technische Produkte über Großhandelsstufen und Fachhandwerk vertrieben werden — exakt die Branchen, in denen mehrstufiger B2B-Datenaustausch Alltag ist.
Ist ETIM Pflicht?
Nein, ETIM ist keine gesetzliche Pflicht. In der Praxis ist der Standard aber häufig Markteintrittsbedingung: Viele Großhändler und Einkaufsverbände in Elektro und SHK nehmen Produktdaten nur noch ETIM-klassifiziert an, und in Datenportalen der Branchen ist ETIM Standard. Wer als Hersteller gelistet werden will, kommt an ETIM faktisch selten vorbei — nicht wegen einer Vorschrift, sondern wegen der Anforderungen der Handelspartner.
Was ist der Unterschied zwischen ETIM und ECLASS?
Beide sind Klassifikationsstandards, lösen aber unterschiedliche Aufgaben: ETIM ist ein flaches, merkmalzentriertes Modell für technische Produkte im Handelskanal — ECLASS ist ein hierarchischer, branchenübergreifender Standard mit Schwerpunkt E-Procurement, Industrie 4.0 und Konzernbeschaffung. Viele Hersteller pflegen beide parallel, weil unterschiedliche Abnehmer unterschiedliche Standards fordern.
| ETIM | ECLASS | BMEcat | |
|---|---|---|---|
| Was ist es? | Klassifikationsmodell (Klassen + Merkmale) | Klassifikationsmodell (4-stufige Hierarchie + Merkmale) | Austauschformat für Katalogdaten (XML) |
| Struktur | flach: Gruppe → Klasse | hierarchisch: 4 Ebenen, 8-stelliger Code | kein Klassifikationsmodell, transportiert Klassifikationen |
| Typischer Einsatz | Elektro, SHK, Bau, Werkzeuge — Großhandel & Handwerk | branchenübergreifend, Einkauf/E-Procurement, Industrie 4.0 | Katalogübergabe Hersteller → Händler/Plattform |
| Kosten | Klassifikationsmodell frei nutzbar | lizenzpflichtig (gestaffelt) | Spezifikation frei verfügbar |
| Träger | ETIM International / ETIM Deutschland | ECLASS e. V. | BME e. V. |
Ausführlich: Was ist ECLASS?
Was ist der Unterschied zwischen ETIM und BMEcat?
ETIM und BMEcat konkurrieren nicht — sie ergänzen sich. ETIM beschreibt, WIE ein Produkt klassifiziert und mit Merkmalen beschrieben wird. BMEcat ist das Transportformat, also die XML-Struktur, in der Katalogdaten inklusive ETIM-Klassifikation vom Hersteller zum Händler übertragen werden. In der Praxis heißt das: Du pflegst ETIM-Klassen und -Merkmale in Deinem PIM und exportierst sie als BMEcat-Datei (in den Branchen etabliert in den ETIM-BMEcat-Guidelines). Daneben hat ETIM International mit ETIM xChange ein eigenes, JSON-basiertes Austauschformat als BMEcat-Nachfolger veröffentlicht; die Verbreitung in der Praxis läuft an.
Wie pflegt man ETIM-Daten im PIM-System?
Manuell in Excel ist ETIM-Pflege ab wenigen hundert Artikeln kaum beherrschbar — je Produkt sind Klasse plus Dutzende Merkmale in der richtigen Version zu pflegen. Ein PIM-System löst das strukturell: Die ETIM-Klassifikation wird als Referenzstruktur importiert, Produkte werden Klassen zugeordnet, und die eigenen Produktattribute werden auf ETIM-Merkmale gemappt. Gute Systeme prüfen dabei Vollständigkeit und Wertebereiche automatisch, führen mehrere ETIM-Versionen parallel und leiten die Daten als BMEcat oder in Portal-Formaten aus. So wird aus der Pflicht ein wiederholbarer Prozess: einmal sauber gemappt, für jeden Abnehmer versionsgerecht exportiert. Mehr zu den Grundlagen: Klassifizierung von Produktdaten.
Wo gehört ETIM ins PIM- und Datenmanagement-Gefüge?
ETIM ist kein System, sondern ein Standard — er lebt dort, wo Deine Produktdaten zentral gepflegt werden. Im Zusammenspiel aus PIM-System (führende Quelle für Produktdaten und Klassifikationen), DAM (Mediendaten) und Kanalausleitung ist ETIM eine von mehreren Ziel-Klassifikationen neben ECLASS oder kundenindividuellen Strukturen. Das PIM hält Deine interne Datenwelt und übersetzt sie regelbasiert in die Standards, die Deine Handelspartner fordern.
ETIM in einem PIM-System wie OMN
In OMN, dem PIM-System von apollon, pflegst Du ETIM als eigene Klassifikationsstruktur direkt neben Deiner internen Produktstruktur: Klassen zuordnen, Merkmale mappen, Vollständigkeit und Wertebereiche automatisch prüfen — auch für mehrere ETIM-Versionen und parallel zu ECLASS. Über das Channel Management leitest Du die klassifizierten Daten als BMEcat oder portalspezifisches Format an Großhandel, Datenpools und Marktplätze aus, ohne je Abnehmer neu zu pflegen. apollon bringt dabei über 25 Jahre Erfahrung in Produktdaten- und Medienprozessen mit — gerade in ETIM-geprägten Branchen wie Elektro, SHK und Industrie. Schau Dir das im Detail an: OMN Product Information Management — oder erlebe die ETIM-Pflege live in einer unverbindlichen Demo.
FAQ — Häufige Fragen zu ETIM
Was kostet ETIM?
Das Klassifikationsmodell selbst ist als offener Standard frei nutzbar; die englische Master-Version steht frei zum Download, Sprachversionen stellen die nationalen Organisationen bereit (teils an eine Mitgliedschaft gebunden). Kosten entstehen vor allem durch die optionale Mitgliedschaft bei ETIM Deutschland bzw. ETIM International (mit Vorteilen wie Mitwirkung an Änderungsanträgen) und durch den internen Pflegeaufwand — der mit passender Systemunterstützung deutlich sinkt.
Was sind ETIM-Merkmale?
ETIM-Merkmale (Features, Kürzel EF) sind die standardisierten Eigenschaften, die eine ETIM-Klasse definiert — etwa Bemessungsstrom, Schutzart oder Material. Jedes Merkmal hat einen festen Datentyp und bei Bedarf normierte Einheiten und Auswahlwerte, damit alle Marktteilnehmer identisch beschreiben.
Wie exportiert man ETIM-Daten?
Üblich ist der Export als BMEcat-Datei nach den ETIM-BMEcat-Guidelines, daneben Excel-/CSV-Formate einzelner Datenportale und Abnehmer. Ein PIM-System mit Kanalausleitung erzeugt diese Formate automatisiert aus dem gepflegten Datenbestand.
Was ist ETIM International bzw. ETIM Deutschland?
ETIM International ist die Dachorganisation, die das Klassifikationsmodell global weiterentwickelt und die Versionen veröffentlicht. Nationale Organisationen wie ETIM Deutschland e. V. übersetzen und lokalisieren den Standard, bündeln die Änderungsanträge ihrer Mitglieder und sind erste Anlaufstelle für Hersteller und Händler im jeweiligen Land.