Was ist ECLASS?

Zuletzt aktualisiert: August 2026

ECLASS ist ein branchenübergreifender, internationaler Standard zur Klassifikation von Produkten und Dienstleistungen. Jedes Produkt erhält über eine vierstufige Hierarchie einen eindeutigen achtstelligen Klassifikationscode und wird über standardisierte Merkmale beschrieben. Unternehmen nutzen ECLASS vor allem im Einkauf, im elektronischen Datenaustausch und in der Industrie, um Produktdaten system- und firmenübergreifend eindeutig zu machen. Träger ist der ECLASS e. V.

Was bedeutet eCl@ss?

eCl@ss ist die frühere Schreibweise desselben Standards — seit einigen Jahren firmiert er einheitlich als ECLASS. Entstanden ist der Standard um die Jahrtausendwende auf Initiative großer deutscher Industrieunternehmen; seit dem Jahr 2000 wird er vom ECLASS e. V. mit Sitz in Köln getragen und international weiterentwickelt; die Inhalte erscheinen in über 30 Sprachvarianten.

Die ECLASS-Definition in einem Satz: ein hierarchischer Klassifikationsstandard, der Produkte und Dienstleistungen eindeutig einordnet und mit standardisierten Merkmalen, Werten und Einheiten maschinenlesbar beschreibt.

Welche Ebenen gibt es in ECLASS?

ECLASS klassifiziert über genau vier Hierarchie-Ebenen. Jede Ebene wird durch zwei Ziffern codiert — zusammen ergibt das den achtstelligen ECLASS-Code (Codierung „XX-XX-XX-XX“). Ein Produkt wird immer auf der untersten Ebene, der Klassifikationsklasse, eingeordnet; erst dort hängen die Merkmalleisten.

EbeneBezeichnungCode-Schema
1Sachgebiet (Segment)XX
2HauptgruppeXX-XX
3GruppeXX-XX-XX
4Untergruppe / KlassifikationsklasseXX-XX-XX-XX

An der Klassifikationsklasse hängen die standardisierten Merkmale (Properties), Werte und Einheiten, mit denen das Produkt beschrieben wird — bei ECLASS Advanced zusätzlich strukturiert in Blöcken und Aspekten.

Wie viele ECLASS gibt es?

Der ECLASS-Standard umfasst nach Angaben des ECLASS e. V. rund 48.000 Produktklassen und über 23.000 eindeutige Merkmale. Damit deckt ECLASS praktisch alle Branchen ab — von Elektrotechnik über Maschinenbau, Chemie und Medizintechnik bis zu Dienstleistungen. Mit jedem Release wächst der Standard: Allein Release 16.0 brachte 995 neue Klassen, darunter 137 neue Klassifikationsklassen, sowie über 1.250 neue Merkmale.

Welche ECLASS-Version ist aktuell?

Aktuell ist ECLASS 16.0, veröffentlicht am 28. November 2025. In das Release sind laut ECLASS e. V. über 155.000 Änderungsanträge aus Industrie und Handel eingeflossen; es erscheint in 31 Sprachen (29 davon vollständig übersetzt). Für die Praxis wichtig: Viele Abnehmer und Plattformen arbeiten noch mit älteren Releases. Dein Datenmanagement muss deshalb mehrere ECLASS-Versionen parallel führen und je Empfänger die richtige Version ausleiten können.

Wie finde ich die ECLASS-Nummer?

Die ECLASS-Nummer (den achtstelligen Klassifikationscode) findest Du über die offizielle Suche des ECLASS e. V. auf eclass.eu: Dort suchst Du per Stichwort nach der passenden Klassifikationsklasse und übernimmst deren Code. Alternativ liefern viele Lieferanten die ECLASS-Nummer bereits in ihren Katalogdaten mit, oder Dein PIM-System schlägt beim Klassifizieren passende Klassen vor. Wichtig: immer die Release-Version zum Code mit angeben (z. B. „ECLASS 16.0″), denn Codes können sich zwischen Releases ändern.

Was ist der Unterschied zwischen ECLASS Basic und Advanced?

ECLASS gibt es in zwei Ausprägungen mit identischer Klassifikation, aber unterschiedlicher Beschreibungstiefe. ECLASS Basic nutzt eine einfache, flache Merkmalstruktur, ist als CSV oder XML verfügbar, gut menschenlesbar und vergleichsweise einfach zu implementieren — typisch für Einkauf, Vertrieb und Controlling. ECLASS Advanced ergänzt eine flexible, hierarchische Struktur mit Blöcken, Aspekten, Kardinalität und Polymorphismus, wird als XML ausgeliefert und ist primär maschinenorientiert — eingesetzt vor allem im Engineering- und CAx-Umfeld sowie in Industrie-4.0-Szenarien wie der Verwaltungsschale. Faustregel: Basic für den Handels- und Beschaffungsdatenaustausch, Advanced für tief strukturierte technische Produktbeschreibung.

Wer nutzt ECLASS?

ECLASS wird von Industrieunternehmen, Großhändlern, Beschaffungsplattformen und öffentlichen Auftraggebern in vielen Branchen genutzt — darunter Elektrotechnik und Automation, Maschinen- und Anlagenbau, Bau, Chemie und Labor, Medizintechnik und Logistik. Getrieben wird die Verbreitung von zwei Seiten: vom Einkauf großer Organisationen, die Lieferantendaten vereinheitlichen wollen, und von Industrie-4.0-Initiativen, die ECLASS-Merkmale als semantische Basis für den digitalen Zwilling einsetzen.

Wofür braucht man ECLASS im Einkauf und E-Procurement?

Im E-Procurement sorgt ECLASS dafür, dass elektronische Kataloge, Bestellungen und Rechnungen firmenübergreifend verstanden werden. Der Einkauf kann Ausgaben sauber nach Warengruppen auswerten (Spend-Analyse), Lieferanten vergleichen und Freitext-Bestellungen reduzieren. Viele Konzerne und Beschaffungsplattformen verlangen deshalb ECLASS-klassifizierte Katalogdaten — meist übertragen als BMEcat-Katalog oder über OCI-Schnittstellen. Wer als Lieferant in solche Systeme will, braucht ECLASS-Codes und je nach Anforderung auch gepflegte Merkmale.

Ist ECLASS kostenlos?

Nein. Anders als ETIM ist ECLASS lizenzpflichtig: Für die produktive Nutzung der Releases erwirbst Du eine Lizenz beim ECLASS e. V.; die Konditionen sind gestaffelt (Details und Preise auf eclass.eu). Mitglieder des Vereins erhalten Vorteile und wirken über Änderungsanträge an der Weiterentwicklung mit. Zur Lizenzgebühr kommt — wie bei jedem Klassifikationsstandard — der interne Pflegeaufwand, der sich mit Systemunterstützung im PIM deutlich reduzieren lässt.

Was ist der Unterschied zwischen ECLASS und ETIM?

ECLASS ist hierarchisch, branchenübergreifend und stark im Einkauf, in der Industrie und in Industrie-4.0-Szenarien; ETIM ist flach, merkmalzentriert und der Standard des technischen Großhandels (Elektro, SHK, Bau). Viele Hersteller brauchen beide: ETIM für die Handelsschiene, ECLASS für Konzern-Einkauf und Engineering. Die Details mit Vergleichstabelle findest Du auf unserer Seite Was ist ETIM?

Was ist der Unterschied zwischen ECLASS und UNSPSC?

UNSPSC (United Nations Standard Products and Services Code) ist ebenfalls eine hierarchische Warengruppen-Klassifikation, aber im Kern ein reines Nummernsystem: Es ordnet Produkte in Kategorien ein, definiert jedoch keine standardisierten Merkmalleisten. ECLASS geht deutlich weiter — es klassifiziert UND beschreibt Produkte über Merkmale, Werte und Einheiten. UNSPSC ist vor allem in Nordamerika und in globalen Spend-Analysen verbreitet, ECLASS im europäischen E-Procurement und in der Industrie. International tätige Unternehmen mappen daher oft ECLASS auf UNSPSC, statt sich für eines zu entscheiden.

Wie pflegt man ECLASS im PIM-System?

ECLASS-Pflege heißt: je Produkt die richtige Klassifikationsklasse (in der richtigen Version) zuordnen und die geforderten Merkmale befüllen. Ab ein paar hundert Artikeln braucht das Systemunterstützung. Im PIM importierst Du den ECLASS-Release als Referenzstruktur, mappst Deine internen Attribute einmalig auf ECLASS-Merkmale und lässt Vollständigkeit und Wertebereiche automatisch prüfen. Versionswechsel (z. B. von 15.0 auf 16.0) werden über Mapping-Updates nachgezogen, statt alles neu zu pflegen. Die Ausleitung an Einkaufsplattformen erfolgt dann als BMEcat oder im geforderten Portalformat. Grundlagen dazu: Klassifizierung von Produktdaten.

Wo gehört ECLASS ins PIM- und Datenmanagement-Gefüge?

ECLASS ist ein Standard, kein System: Er wird dort gepflegt, wo Deine Produktdaten zentral liegen. Im Gefüge aus PIM-System (führende Quelle für Produktdaten und Klassifikationen), DAM und Kanalausleitung ist ECLASS eine von mehreren Ziel-Klassifikationen — neben ETIM, Marktplatz-Kategorien oder kundenindividuellen Strukturen. Das PIM hält Deine interne Produktstruktur und übersetzt sie regelbasiert in die Standards, die Einkauf und Plattformen Deiner Kunden fordern.

ECLASS in einem PIM-System wie OMN

In OMN, dem PIM-System von apollon, führst Du ECLASS als eigene Klassifikationsstruktur parallel zu Deiner internen Produkthierarchie — und bei Bedarf parallel zu ETIM und weiteren Standards. Produkte ordnest Du per Zuordnung und Mapping den Klassifikationsklassen zu, Merkmale werden aus Deinen Attributen befüllt, Vollständigkeit und Wertebereiche automatisch geprüft. Auch mehrere ECLASS-Versionen laufen nebeneinander, sodass jeder Abnehmer seine Version bekommt. Über das Channel Management leitest Du die Daten als BMEcat oder Portalformat an Beschaffungsplattformen und Handelspartner aus. apollon bringt dabei über 25 Jahre Erfahrung in Produktdaten- und Medienprozessen mit, gerade in Industrie- und Handelsprojekten. Details: OMN Product Information Management — oder sieh Dir die Klassifikationspflege in einer unverbindlichen Demo an.

FAQ — Häufige Fragen zu ECLASS

Wie sieht ein ECLASS-Beispiel konkret aus?

Ein Produkt wird auf Ebene 4 in genau einer Klassifikationsklasse geführt — der achtstellige Code nennt Sachgebiet, Hauptgruppe, Gruppe und Untergruppe (Schema „XX-XX-XX-XX“). Abnehmer erhalten Code plus Merkmale und können das Produkt automatisiert einsortieren und vergleichen.

Kann ich ETIM und ECLASS parallel nutzen?

Ja — das ist in technischen Branchen sogar der Normalfall: ETIM für Großhandel und Handwerk, ECLASS für Konzern-Einkauf und Industrie. Ein PIM-System pflegt beide Standards parallel am selben Produkt, sodass keine Doppelpflege in getrennten Listen entsteht.

Welche Rolle spielt ECLASS beim Digitalen Produktpass und in Industrie 4.0?

ECLASS-Merkmale dienen in Industrie-4.0-Szenarien als semantisches Vokabular — etwa in der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell), wo Eigenschaften eindeutig referenziert werden müssen. Damit ist ECLASS eine der Grundlagen für maschinenlesbare Produktbeschreibungen, wie sie auch für den Digitalen Produktpass diskutiert werden.

Was ist eine ECLASS-Klassifikationsklasse (CC)?

Die Klassifikationsklasse ist die unterste der vier Ebenen — die Klasse, in die ein Produkt tatsächlich eingeordnet wird. Nur an ihr hängen die Merkmalleisten. Die oberen drei Ebenen dienen der Navigation und Auswertung, klassifiziert wird immer auf Ebene 4.