SAP Hybris End of Life 2026: Warum du das PIM zuerst migrierst — und der Shop danach

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Am 31. Juli 2026 endet die Mainstream Maintenance für SAP Commerce on-premise (Version 2205) — die letzte On-Prem-Variante der ehemals als Hybris bekannten Plattform. Das betrifft ausschließlich die On-Premise-Linie; SAP Commerce Cloud läuft mit Quartalsupdates weiter. Wer 2026 vor der Replatforming-Entscheidung steht, hat damit ein Zeitfenster, keinen Notausgang. Und die wichtigste Weiche stellst du nicht beim Shop, sondern eine Schicht tiefer: bei der Produktdaten-Architektur.

Was am 31. Juli 2026 wirklich endet — und was nicht

SAP hat das Maintenance-Ende für SAP Commerce on-premise auf den 31. Juli 2026 datiert. Maßgeblich ist die offizielle Ankündigung im SAP Help Portal unter dem Titel „End of Mainstream Maintenance for SAP Commerce“ (help.sap.com). Betroffen ist die Version 2205, der finale On-Premise-Release aus dem Mai 2022.

Konkret endet damit:

  • Security-Patches** für die On-Premise-Codebasis
  • Bugfixes** und Compliance-Updates
  • JVM- und Third-Party-Library-Support** in der unterstützten Matrix
  • Neue Funktionen** — die fließen seit 2022 ohnehin nur noch in die Cloud-Linie
  • Die Möglichkeit, neue Anwendungen auf der EoMM-Version aufzusetzen (siehe SAP KBA 3242156)

Was NICHT endet: SAP Commerce Cloud (Public Cloud) bekommt weiterhin Quartalsupdates. Wenn du auf der Cloud-Variante bist — etwa nach einem Lift-and-Shift in 2024 oder 2025 — bist du nicht betroffen. Die EoMM-Diskussion gilt für die klassische On-Premise-Welt: gehostet im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Hosting-Partner, eigener Application-Stack, eigene Release-Hoheit.

Eine Extended Maintenance, wie sie SAP für ECC oder S/4HANA-Linien kennt, ist nach derzeitiger Maintenance-Strategie für SAP Commerce nicht angekündigt. Customer-Specific Maintenance existiert formal als Möglichkeit, ist aber keine echte Verlängerung — keine Garantie auf neue Patches, keine Legal Changes, keine Re-Zertifizierung gegen aktuelle OS- und DB-Stände. Wer darauf baut, kauft sich Zeit, keine Sicherheit.

Der von SAP empfohlene Migrationspfad heißt klar: SAP Commerce Cloud (Public Cloud, aktuelle Release-Linie) mit SAP Composable Storefront — dem offiziellen Headless-Frontend, vormals als Spartacus bekannt, Angular-basiert (SAP Community Blog). Die Cloud-Variante ist also Ziel-Option, nicht Auto-Option. Ob sie für dich die richtige ist, entscheidest du nach Datensouveränität, B2B-Tiefe, Vendor-Lock-in-Toleranz und TCO über fünf Jahre — nicht nach SAP-Rabattvereinbarung.

Warum Hybris-Bestandskunden 2026 vor mehr als nur einer Shop-Frage stehen

Hybris hat eine längere Geschichte als die meisten heute aktiven eCommerce-Plattformen. Gegründet 1997 in Zug, Schweiz, später mit Hauptsitz in München. 2013 von SAP übernommen — der Kaufpreis wurde nie offiziell bestätigt, kolportiert werden zwischen 1,3 und 1,5 Milliarden US-Dollar (Wikipedia); Computerweekly). Seit 2018 firmiert das Produkt offiziell als SAP Commerce Cloud; die Marke Hybris wurde abgelöst (Langia IT-Blog).

Mit Release 2211 im Dezember 2022 hat SAP zudem die Weiche auf cloud-only gestellt: Ab da liefert SAP Commerce ausschließlich in der Cloud-Variante aus — neue Funktionen, Security-Patches und Innovation fließen nicht mehr in die On-Premise-Linie (SAP Community Blog). Das EoMM 2026 ist die logische Konsequenz dieser Strategie, nicht eine plötzliche Überraschung. Gartner reflektiert das ebenfalls: In seinen Peer Insights wird das Produkt inzwischen als „SAP Hybris Customer Engagement and Commerce (Legacy)“ geführt — ein Label, das ein Analyst nicht leichtfertig vergibt.

Soweit der Markt-Kontext. Wenn du eine Hybris-on-prem-Installation betreibst, kennst du die andere Seite: über die Jahre gewachsene Custom-Erweiterungen, eine PCM-Schicht, die mit Promotionslogik, Storefront-Templates und ERP-Adapters verwoben ist, Schnittstellen zu OMS, WMS, DAM und manchmal noch zu einem zweiten Stamm­datensystem. Das ist die Realität fast jeder B2B-Hybris-Landschaft in DACH-Maschinenbau und Industrie-Distribution: nicht „ein Shop“, sondern ein gewachsenes Daten- und Prozess-Ökosystem mit Hybris im Zentrum.

Und genau hier liegt die strategische Falle 2026. Wer die Replatforming-Frage als reine Shop-Frage stellt — „welcher Shop ersetzt mein Hybris?“ — wandert die Komplexität ins neue System. Das eigentliche Problem ist nicht der Shop. Das eigentliche Problem ist das Datenmodell.

Das eigentliche Problem ist das Datenmodell — nicht der Shop

Hybris hat eine Stärke gehabt, die heute zur Bremse wird: Product Content Management (PCM) war im Hybris-Stack tief eingebaut. Klassifikationen, Mehrstufigkeit, lokalisierte Attribute, Varianten-Logik, Asset-Bezug — alles in einer Datenbank, alles in einem Domain-Modell, alles über die Hybris-Cockpits pflegbar. Für die Architektur-Standards von 2013 war das modern. Für die Realität von 2026 ist es das Gegenteil.

Wenn deine Produktdaten in der Shop-Plattform wohnen, hängen drei strategische Optionen an einer einzigen Migrations-Entscheidung: Wechsel der Pflege-Oberfläche, Wechsel der Daten-Distribution, Wechsel des Frontends. Replatforming bedeutet dann nicht „neuer Shop drauf“. Replatforming bedeutet: Du baust ein neues Auto, während du noch fährst — und der Motor (deine Daten) ist verschraubt mit dem Lenkrad (deinem Shop).

Die Konsequenz ist eine einfache, aber entscheidende Umkehr der Reihenfolge. Bevor du eine Zeile Shop-Code anfasst, holst du die Produktdaten aus Hybris heraus und parkst sie in einer dedizierten Daten-Ebene — einem modernen PIM. Ab dem Moment, wo die Produktdaten unabhängig vom Shop leben, hast du drei Dinge gewonnen:

  1. Du kannst den Shop ohne Datenrisiko ausschreiben. Shop-Selection wird zur Frontend-Frage, nicht zur Daten-Frage.
  2. Du kannst parallel betreiben. Alter Hybris und neuer Shop bedienen sich beide aus derselben Datenquelle — Cutover wird inkrementell, nicht Big Bang.
  3. Du machst eine Investition, die du behältst. Selbst wenn du in fünf Jahren wieder den Shop tauschst, bleibt das PIM. Es ist die einzige Ebene deines Stacks, die nicht alle 7–10 Jahre Replatforming braucht.

Dieses Konzept — PIM als Entkopplungs-Schicht — ist der Kern jeder ehrlichen Replatforming-Strategie. Die Methodik funktioniert mit Shopware als Ziel-Shop genauso wie mit Spryker, commercetools oder Elastic Path. Sie funktioniert sogar, wenn du am Ende auf SAP Commerce Cloud bleibst und nur die On-Prem-Last loswerden willst. Es ist keine Vendor-Frage, sondern eine Architektur-Frage.

Das 5-Phasen-Playbook für deine Hybris-Ablösung

Das folgende Playbook ist die Reihenfolge, in der wir Hybris-Ablösungen in DACH-B2B-Manufacturing-Projekten umsetzen. Die fünf Phasen sind nicht beliebig sortiert. Phase 2 vor Phase 4 ist die wichtigste strategische Aussage des Artikels.

Phase 1: Inventur — was hast du eigentlich?

Bevor du etwas migrierst, weißt du, was du migrierst. Klingt trivial, ist es nicht — in den meisten Hybris-Landschaften nach acht bis zwölf Jahren Betrieb hat niemand mehr die vollständige Karte im Kopf.

Drei Audits laufen parallel:

  • Produktdatenmodell-Audit.** Welche Klassifikationssysteme sind aktiv (ETIM, eCl@ss, eigene Hierarchien)? Welche Attributtypen, Mehrsprachigkeit, Maßeinheiten, Varianten-Achsen? Wie viele Produkte, wie viele Varianten, wie viele Sprachen, wie viele Vertriebskanäle? Welche Daten kommen aus dem ERP, welche werden im PCM angereichert?
  • Schnittstellen-Map.** ERP, OMS, WMS, DAM, ein zweites Stammdatensystem, CRM, Marketing-Automation, Print-Pipelines. Was geht raus, was kommt rein, in welchen Intervallen, über welche Technologie (Files, IDocs, REST, Message-Queue)? Welche Schnittstellen sind dokumentiert, welche „weiß nur noch der Kollege im Ruhestand“?
  • Custom-Code-Audit im Hybris-Stack.** Welche Extensions sind apollon-Standard, welche sind Eigenentwicklungen, welche sind Anpassungen am Standard? Welche davon sind funktional noch relevant, welche sind „Altlasten, die niemand mehr anfasst“?

Ergebnis der Phase: ein Architektur-Bild auf einer Seite, eine Schnittstellen-Map, eine ehrliche Aussage über den Custom-Code-Anteil. Aus unseren Hybris-Migrations-Projekten zeigt sich für diese Phase typischerweise eine Dauer von vier bis acht Wochen, abhängig von der Größe der Hybris-Landschaft.

Phase 2: PIM-Konsolidierung — die Daten raus aus Hybris

Hier passiert die strategisch wichtigste Arbeit. Du überführst PCM aus Hybris in ein dediziertes PIM und etablierst es als Single Source of Truth für Produktdaten.

Was dabei passieren muss:

  • Datenmodell-Übersetzung.** Das Hybris-PCM-Datenmodell wird auf das PIM-Datenmodell gemappt. Klassifikationen werden konsolidiert. Aus unseren PCM-Audits bei Hybris-Bestandskunden sehen wir regelmäßig 1.500 und mehr Attribute, von denen typischerweise 60–70 % redundant, veraltet oder mehrfach modelliert sind. Mehrstufige Varianten-Hierarchien werden flachgezogen oder bewusst beibehalten.
  • Datenqualitäts-Hub aufsetzen.** Pflichtfelder, Validierungsregeln, Workflows für Produktdaten-Anlage und -Pflege. Was vorher als Custom-Logik in Hybris-Backend lag, wird zur erstklassigen Funktion im PIM.
  • Erst-Migration der Daten.** ETL-Lauf vom Hybris-PCM in das neue PIM, mit Bereinigungs-Schritten (Dubletten, leere Attribute, inkonsistente Maßeinheiten).
  • Kanal-Distribution etablieren.** Das PIM lernt, Daten in den alten Hybris-Shop zurückzuspielen — als Übergangs-Quelle, damit der Hybris-Shop weiter funktioniert, während du oben am PIM arbeitest.

Genau dieser Schritt ist heute schon machbar — unabhängig davon, welcher Shop in zwei Jahren das Frontend übernimmt. Das ist der Kern des „PIM zuerst“-Arguments: Phase 2 schafft Wert ab dem ersten Tag, in dem das PIM produktiv ist, und friert keine Shop-Entscheidung ein.

Ein modernes PIM wie apollon-OMN übernimmt diese Rolle als Datenebene. Wenn du wissen willst, wie ein PIM in ein bestehendes Shopware-Setup integriert wird, lohnt ein Blick auf die PIM-Integration für Shopware. Welche Optionen am Markt es jenseits unserer eigenen Lösung gibt, vergleichen wir nüchtern im PIM-Software-Vergleich.

Phase 3: Datenmodell entkoppeln — die Architektur-Frage

Mit dem PIM als Datenquelle hast du den ersten Hebel gesetzt. Phase 3 zementiert ihn: Du baust eine Architektur, in der jeder Konsument von Produktdaten — Shop, App, Marktplatz, B2B-Portal, Print-Katalog, Vertriebs-Konfigurator — über klar definierte APIs angebunden ist.

Drei Dinge entstehen in dieser Phase:

  • Headless, API-first als Zielbild.** Produktdaten werden über REST oder GraphQL bereitgestellt, Assets über CDN-fähige Endpoints, Channel-Logik (welcher Kanal sieht welches Sortiment, in welcher Sprache, mit welchen Preisen) liegt in der Distributions-Schicht — nicht im Shop.
  • Distributions-Logik.** Channel-Mapping, Sortimentssteuerung, Asset-Variantenbildung, Übersetzungs-Workflows. Das ist klassische PIM-Disziplin und sollte nicht im Shop-System landen — sonst entstehen die nächsten Hybris-Verklemmungen.
  • Schnittstellen-Modernisierung.** Datei-basierte ERP-Anbindungen werden auf event- oder API-basierte Patterns gehoben, soweit es das ERP zulässt.

Ergebnis: Der Shop wird zum Frontend, das du tauschen kannst, ohne die Daten-Ebene anzufassen. Das ist die Versicherungspolice gegen das nächste EoMM, in welchem System auch immer.

Phase 4: Shop-Selection — jetzt erst

Erst nach Phase 3 öffnest du den Shop-Selection-Prozess. Und jetzt darfst du ehrlich Position beziehen, weil die Daten-Ebene unabhängig ist.

Für DACH-B2B-Mittelstand mit Manufacturing- oder Distributions-Hintergrund ist Shopware in den meisten Fällen die logische Wahl. Begründung mit öffentlichen Fakten, ohne TCO-Vergleichszahlen:

  • Deutscher Anbieter, deutsche Datensouveränität.** Für mittelständische Industrie-Kunden mit europäischen Compliance-Anforderungen ist das ein realer Faktor — kein Marketing-Argument, sondern eine Procurement-Anforderung.
  • Open-Source-Kern, geringeres Vendor-Lock-in-Risiko.** Wer die Lock-in-Erfahrung mit Hybris gemacht hat, wertet diesen Punkt besonders hoch.
  • B2B-Suite im Core.** Konto-Hierarchien, Mengenpreise, Freigabe-Workflows, Quotes — als Standard-Funktionen, nicht als Customizing-Aufwand.
  • Aktives DACH-Partner-Ökosystem.** Implementierung, Hosting, Erweiterungen, Support — alles in deutscher Sprache, in deutscher Zeitzone, in deutscher Rechnungsstellung.

Das heißt nicht: Shopware ist immer richtig. Es gibt Konstellationen, in denen commercetools mit seinem reinen Composable-Ansatz die bessere Wahl ist — etwa für reine Headless-Stacks mit mehreren Frontends. Spryker ist relevant, wenn der Glue-Code-Anteil hoch ist und das interne Engineering-Team groß genug, um eine Toolkit-Plattform zu betreiben. Elastic Path spielt in API-first-Lager auf Enterprise-Niveau mit. Und die SAP Commerce Cloud selbst kann der pragmatische Weg sein, wenn das interne SAP-Know-how dominant ist und der Vertrag passt.

Die Selektion läuft als klassische strukturierte Auswahl mit Lastenheft, Demo-Vergleich, Referenzgespräche und Total-Cost-Berechnung über fünf Jahre. Was du nicht mehr brauchst, ist die Datenmodell-Diskussion — die hast du in Phase 2 entschieden.

Phase 5: Cutover — die letzten 60 Tage

Mit Daten-Ebene und Shop-Selection im Rücken wird der Cutover zum kontrollierten Übergang statt zum Big Bang. Vier Bausteine sind kritisch:

  • Parallelbetrieb mit Data-Sync-Strategie.** Hybris bleibt vorerst live, der neue Shop wird parallel hochgefahren — beide bedienen sich aus dem PIM, beide schreiben Bestellungen ins ERP. Sortiments-, Kunden- oder regionale Splits steuern, wer wann auf den neuen Shop kommt.
  • SEO-Migration.** Vollständiger URL-Mapping zwischen alter und neuer Welt, 301-Redirects auf URL-Ebene (nicht nur auf Domainebene), strukturierte Daten neu ausgespielt, XML-Sitemaps eingereicht. In unseren Replatforming-Projekten beobachten wir regelmäßig: Ein vernachlässigter SEO-Cutover kostet B2B-Hersteller typischerweise sechs bis zwölf Monate organischen Traffic — der Posten gehört in den Business-Case.
  • Datenqualitäts-Sign-off VOR Live-Schaltung.** Stichproben über Produkte, Bilder, Preise, Verfügbarkeit, Übersetzungen. Keine Go-live-Freigabe ohne dokumentiertes Sign-off der Sortimentsverantwortlichen.
  • Post-Live-Hardening.** Monitoring auf Performance, Conversion, Suchergebnis-Qualität, Schnittstellen-Latenzen, Error-Rates. Die ersten 30 Tage nach Go-live brauchen ein dediziertes Hardening-Team, kein Standard-Support.

Wenn du wissen willst, wie der konkrete Hybris-zu-Shopware-Pfad in der Praxis aussieht, ist der nächste Schritt ein gemeinsamer Architektur-Scan: Shopware-Migration in der Übersicht.

Die häufigsten Fehler bei einer Hybris-Migration

Aus unseren Replatforming-Projekten der letzten Jahre sind das die fünf Fehler, die am häufigsten echtes Geld kosten:

  1. „Shop tauschen, Datenmodell behalten“ — die teuerste Variante. Wer die PCM-Komplexität ins neue System wandern lässt, baut sich in 24 Monaten die nächste Replatforming-Falle. Das Argument „erstmal den Shop, das PIM später“ ist die häufigste Selbsttäuschung in Hybris-Migrations-Roadmaps.
  2. PCM-Migration unterschätzen. Der Datenausbau ist regelmäßig 60–80 % des Projektaufwands. Wer den Aufwand in die Shop-Implementierung budgetiert und dann „die Daten kommen ja eh aus dem ERP“ sagt, plant am realen Aufwand vorbei.
  3. Cloud als Default-Wahl, ohne Souveränitäts-Bedarf zu prüfen. SAP Commerce Cloud ist ein valider Pfad — aber nicht automatisch der richtige. Datenresidenz, Vertrags-Laufzeiten, Lock-in-Profil und tatsächliche Composable-Reife gehören in jede Selektion.
  4. Custom-Code 1:1 portieren wollen. Acht Jahre Hybris-Customizing 1:1 in den neuen Stack zu schieben ist die Garantie, im neuen Stack denselben Wartungs-Stillstand zu produzieren. Die Migration ist der Moment, in dem du Custom-Code als „echt geschäftskritisch“ oder „historische Last“ einsortierst.
  5. Migrationstermin am Q4-Geschäft vorbei planen. Ein Cutover im November ist im B2B-Manufacturing eine schlechte Idee — Jahresend-Sortimentswechsel, Rahmenverträge, Inventur, Messe-Vorbereitungen. Zeitplan an die fachliche Realität anpassen, nicht ans Wunschdatum.

Wann ist der richtige Zeitpunkt

Das EoMM-Datum 31. Juli 2026 ist kein Stichtag, an dem dein System ausgeht. Aber es ist der Stichtag, an dem dein System eine andere Risikoklasse bekommt: kein Security-Patch mehr, kein zertifizierter JVM-Pfad, keine Compliance-Updates. Versicherungs-Audits, Konzern-IT-Vorgaben und Lieferanten-Anforderungen werden das ab August 2026 thematisieren.

Realistische Replatforming-Projekte im B2B-Manufacturing-Umfeld laufen zwischen 12 und 24 Monaten. Wer im Mai 2026 startet, liegt für einen 2027er Cutover gut. Wer erst 2027 anfängt, fährt 2028 mit einem ungewarteten Produktiv-System weiter und verhandelt vermutlich Customer-Specific Maintenance — eine Vereinbarung, die typischerweise mit Aufpreis kommt und keinen Innovations-Pfad enthält.

Die Aufforderung ist deshalb nicht „migriere sofort den Shop“. Die Aufforderung ist: Starte spätestens jetzt mit Phase 1 und Phase 2. Phase 2 — die PIM-Konsolidierung — schafft Wert unabhängig von der späteren Shop-Entscheidung. Sie ist der eine Schritt, den du heute machen kannst, ohne dich an einen Shop-Vendor zu binden.

FAQ

Endet SAP Commerce wirklich 2026?

Die Mainstream Maintenance für SAP Commerce on-premise (Version 2205) endet am 31. Juli 2026 laut offizieller SAP-Help-Portal-Ankündigung. Das betrifft ausschließlich die On-Premise-Linie. SAP Commerce Cloud (Public Cloud) bekommt weiterhin Quartalsupdates und ist von der EoMM nicht betroffen. Wer „Hybris stirbt 2026″ liest, sollte also genau prüfen, welche Variante gemeint ist.

Was passiert mit meiner SAP Commerce Cloud Installation?

Wenn du auf SAP Commerce Cloud (Public Cloud) bist, bleibt deine Plattform unter aktivem Support. Das EoMM 2026 gilt nicht für die Cloud-Variante. SAP positioniert die Cloud-Linie inklusive SAP Composable Storefront als offiziellen Innovationspfad. Das heißt aber nicht, dass die Plattform-Strategie damit für die nächsten zehn Jahre festgelegt ist — Datensouveränität, B2B-Tiefe und TCO-Profil sind weiterhin eigenständig zu bewerten.

Wie lange dauert eine Hybris-Migration?

Realistische Replatforming-Projekte im B2B-Manufacturing-Umfeld laufen zwischen 12 und 24 Monaten von Inventur bis Cutover. Die folgenden Phasen-Spannen sind Erfahrungswerte aus unseren Hybris-Migrations-Projekten — sie variieren je nach Größe der Landschaft, Anzahl Schnittstellen und Custom-Code-Anteil: Phase 1 (Inventur) typischerweise vier bis acht Wochen, Phase 2 (PIM-Konsolidierung) drei bis neun Monate, Phase 3 (Entkopplung) zwei bis fünf Monate, Phase 4 (Shop-Selection und Implementierung) sechs bis zwölf Monate, Phase 5 (Cutover) zwei bis drei Monate. Die Phasen überlappen sich in der Praxis — strikt sequenziell ist nur die Reihenfolge der Entscheidungen, nicht die Umsetzung.

Was kostet eine Hybris-Migration?

Pauschale Kostenangaben helfen niemandem. Die wesentlichen Treiber sind: Größe und Komplexität des Produktdatenmodells, Anzahl der Schnittstellen, Custom-Code-Anteil im Hybris-Stack, Internationalisierungs-Tiefe, gewählte Ziel-Plattform und Hosting-Modell. Sinnvoller als eine Hausnummer ist eine ehrliche Phase-1-Inventur — nach vier bis acht Wochen hast du eine belastbare Kalkulation für die folgenden Phasen.

Muss ich erst das PIM oder erst den Shop migrieren?

Erst das PIM. Wer den Shop zuerst tauscht, migriert die PCM-Komplexität ins neue System und baut die nächste Hybris-Falle. Die PIM-Konsolidierung ist außerdem der einzige Migrations-Schritt, den du heute schon machen kannst, ohne dich auf ein Shop-Zielsystem festzulegen — sie funktioniert mit Shopware, Spryker, commercetools, Elastic Path oder auch SAP Commerce Cloud als späterem Frontend. Mehr Hintergrund zur Auswahl im PIM-Software-Vergleich.

Welcher Migrationspfad ist für Hybris-Bestandskunden im DACH-B2B empfehlenswert?

Für DACH-Mittelstand mit Manufacturing- oder Distributions-Profil ist die Kombination Shopware (als Shop-Plattform) plus dediziertes PIM (als Daten-Ebene) in den meisten Fällen die robusteste Wahl. Argumente: deutsche Datensouveränität, Open-Source-Kern, B2B-Funktionen im Core, breites Partner-Ökosystem. Für reine Composable-Stacks oder hochskalierende Headless-Setups können commercetools oder Elastic Path passender sein. Die Entscheidung gehört in eine strukturierte Auswahl in Phase 4, nicht in eine Bauchentscheidung am Anfang.

Was ist SAP Composable Storefront (Spartacus)?

SAP Composable Storefront ist das offizielle Headless-Frontend von SAP Commerce Cloud — Angular-basiert, vormals als Spartacus bekannt. Es löst die alten Accelerator-Storefronts ab und ist der von SAP empfohlene Frontend-Pfad innerhalb des Cloud-Migrationsangebots. Wer auf SAP-Cloud migriert und ein modernes Headless-Setup will, kommt an Composable Storefront kaum vorbei. Für Hybris-on-prem-Kunden, die nicht zwingend bei SAP bleiben wollen, ist Composable Storefront nicht relevant — dann zählen die Headless-Optionen der gewählten Ziel-Plattform.

Bereit für den nächsten Schritt?

Du bist Hybris-Verantwortlicher und 2026 steht die Replatforming-Entscheidung an? Wir machen das jeden Tag. apollon ist Shopware-Agentur, OMN-PIM-Hersteller und Hybris-Migrations-Begleiter in einer Hand — die einzige Konstellation in DACH, in der du Datenebene und Shop-Ebene aus einer Architektur-Logik geplant bekommst, statt sie nachträglich zu verheiraten.

In einem 60-Minuten-Migrationsworkshop scannen wir mit dir deine Datenarchitektur, ordnen deinen Hybris-Stack ehrlich in die fünf Phasen ein, zeigen den realistischen Migrationspfad — von der PIM-Konsolidierung bis zum Shopware-Cutover — und kalkulieren Aufwand, Zeitplan und Risiko für dein konkretes Setup.

Migrationsworkshop anfragen — Hybris → Shopware mit apollon-OMN als Datenebene.


Quellen im Fließtext verlinkt. Stand: Mai 2026. Wir aktualisieren den Artikel, wenn SAP die Maintenance-Strategie für SAP Commerce nachschärft.